Dentomobil April 2011


Vom 11.bis zum 22.04. 2011 besuchte ich zum zweiten Mal mit dem Dentomobil die Region um Trichy, Tamil Nadu, Südindien.
Hatte ich bei meiner ersten Reise im November 2009 ausschließlich Kinderheime besucht, sollten diesmal verstärkt CFCD - (Children Focussed Community Development - ) Projekte betreut werden.
Frau Friederique Heckel aus Auerbach / Vogtland und Dr. Moritz Ries aus Hamburg, die zuvor schon mehrere Wochen im Süden Tamil Nadus, unter anderem in Nagercoil, gearbeitet hatten, gingen mit mir gemeinsam auf die gut einwöchige Reise­
Hervorragend unterstützt durch CCCYC in Bangalore, den lokalen Projektmanagern und dem bewährten Dentomobil-Team um Mr. Raja, untersuchten wir über 1300 Dorfbewohner aus den Regionen Trichy, Keranur, Karur und Dharapuram im Herzen Tamil Nadus. Frauen und Männer suchten unsere „Sprechstunde unter freiem Himmel" auf, vom Kleinkind bis zum Greis. Dabei begegnete uns das gleiche Phänomen wie in Deutschland: Viele gesunde Gebisse mit keinen oder nur sehr kleinen Schäden und wenige Patienten mit sehr hohem Behandlungsbedarf. Auffällig auch die staken Abrasionen mit zunehmendem Alter, weniger als Folge von Parafunktionen, sondern vermutlich der Form der Nahrungszubereitung geschuldet. Speziell die Landbevölkerung ernährt sich überwiegend von Reis, der in verschiedenen Zubereitungsfarmen, häufig durch Steinmühlen, zu einem Brei verarbeitet wird. Die dabei entstehenden sehr kleinen Gesteinsreste in der Nahrung scheinen den Hartsubstanzverlust zu bedingen.
Wir haben sehr trockene, arme Regionen besucht. Auch Projekte speziell für Behinderte, was in Indien noch einmal eine ganz andere Bedeutung als bei uns in Deutschland hat. Aber wir sind vor allem fröhlichen Menschen begegnet. Zufriedenen Menschen, die eingebunden in intakte dörfliche Gemeinschaften, mit buchstäblich fast Nichts, glücklich zu leben scheinen. Wir wurden nicht nur großzügig bewirtet, mit exzellenter südindischer Kochkunst verwöhnt, wir wurden vor allem mit großer Dankbarkeit beschenkt. Durch die Dörfer geführt, in Häuser eingeladen und immer wieder gefragt, wie wir denn ihr Dorf fänden. Und durften Teilhaben an der offenen Freude der Menschen, wenn wir sagten, dies sei ein „pretty village", wie schön die Natur hier sei, wie sehr wir das Essen genössen und wie faszinierend wir Indien fänden. Das ließ uns so manche Strapaze leichter Ertragen. Neben der teilweise doch mehrstündigen Fahrt zwischen den einzelnen Projekten, hatten wir vor allem mit der Hitze des indischen Frühlings zu kämpfen.

Über 40 Grad tagsüber und „unglaublich" kühle 32°C nachts, was das Tragen von Gummihandschuhen zu einem Erlebnis, das Anziehen mit feuchten Händen zu Behandlungsbeginn aber zu einem echten Abenteuer werden ließ.
Den Abschluss der Reise bildete dann noch einmal der Besuch in „meinem" Mädchenheim in Trichy. Ich hatte dort bei meinem ersten Einsatz täglich gegessen und auch drei Tage lang behandelt. Damals ist eine tiefe Freundschaft entstanden. Diesen aufgeweckten, lebendigen, fröhlichen und selbstbewussten Kindern Freude schenken zu können, ist so etwas Wunderbares. Viele von ihnen sind Waise oder Halbwaise, der Rest kommt aus besonders bedürftigen Familien. Die Kindernothilfe leistet hier durch ihre Unterstützung im wahrsten Sinne des Wortes segensreiche Arbeit. Und die Dankbarkeit der Kinder für ihre deutschen Pateneltern ist zutiefst berührend.
Meine Frau und ich werden eine Patenschaft übernehmen, vielleicht zusammen mit meinen Kindern. Und ich werde wiederkommen - zu meinen Mädchen nach Indien.

 

Dr. Wöschler