Teil 1 - Ankunft
‚Hello, Doctor!’ Mr. Radja kommt uns mit einem freundlichen Lachen am Flughafen entgegen. Die Luft ist schwül. Sogleich eilt der junge Fahrer des Wagens, der uns in unsere Unterkunft in Madurai bringen soll, zu Hilfe und verschwindet mit unseren Reisetaschen samt Zubehör in Richtung Auto. Es ist eine fröhliche und offene erste Begegnung mit Mr. Radja, einem schmächtigen, liebevollen, ruhigen Inder, den wir zukünftig unseren Manager nennen.
Es ist unser zweiter Tag in Indien. Nach der Anreise über Düsseldorf-Dubai-Bangalore verbrachten wir unseren gestrigen Ankunftstag, den 13.1.2011, zusammen mit Mr. Augustine Aikyanandan in der Gästeunterkunft des CCCYC. Die Zimmer waren gut – ein eigenes Bad mit westlicher Toilette, Getränke, Obst und Sauberkeit erleichterten uns die Ankunft in diesem uns völlig fremden Land. Mr. Augustine Aikyanandan führte uns erwartungsvoll und herzlich durch die Räumlichkeiten des CCCYCs, fotografierte uns mit jedem einzelnen anwesenden Mitarbeiter, zauberte indische Zuckerleckereien aus dem Ärmel, entführte uns durch den betörenden Verkehr in verschiedene Ecken der westlich entwickelten Stadt Bangalore, ließ vor unseren Augen ‚Pan’ zubereiten (Kausubstanz auf Kräuterbasis) und rundete den Abend mit einem Geigenvorspiel seiner Tochter in seinem privaten Wohnzimmer ab. Das war gestern. Nach 36 Stunden ohne Schlaf fielen wir hundemüde und erschöpft von so viel indischer Freundlichkeit und Eindrücken ins Bett.
Wir sitzen im klimatisierten Auto und fahren durch Madurai. Diese Stadt ist besonders. Zum ersten Mal bekommen wir einen Eindruck vom bunten, quirligen und auch armen, dreckigen Indien. Alt und Jung sitzt neben Blumengirlanden, Obst und Zuckerrohr auf der Straße. Zwischendrin Kühe, Hunde, Ziegen. Und auch Kranke und Schlafende. Sie sind zu Hunderten auf den Straßen, drängen sich aneinander vorbei, verkaufen und kaufen, sitzen und stehen. Es ist staubig und schon der Blick aus dem Autofenster verrät: nicht geruchsarm. Wohin das Auge reicht leuchten bunte Saris in den verschiedensten Farben. Amüsiert beobachtet Mr. Radja unsere faszinierten Blicke und beantwortet geduldig alle Fragen, die uns überfallen.
Teil 2 - Das Dentomobil
Unsere Arbeit am Dentomobil begann mit dem Kennenlernen des Teams (neben Mr. Radja noch der Fahrer und der Techniker) und der mobilen Behandlungseinheit. Wir versuchten zu Beginn, etwas Ordnung und Form in das große Ganze zu bringen. Sauberkeit und Ergonomie war das Ziel. Oftmals mussten wir dabei Kompromisse machen. Das hatten wir nicht anders erwartet und vorab die Lieblingsmaterialien/-instrumente von zu Hause mitgebracht. Nach einiger Zeit hatten wir uns aber den gegebenen Umständen angepasst und die Arbeit konnte beginnen.
An den Schulen wurden wir jeden Tag aufs Neue herzlich begrüßt. Teilweise hatten die Kinder Geschenke, Gedichte, Gebete und Blumen vorbereitet, um uns eine Freude zu machen. Wir besuchten in den zwei Wochen verschiedene Schulen – zum einen Day-Care-Projekte (Tagesschulen), Schulheime/Internate für geistig- und körperlich behinderte Kinder, Schulheime/Internate für Waisenkinder und ein Community-Projekt, das schulunabhängig den ärmeren Familien im Einzugsgebiet soziale und medizinische Hilfe anbietet. Die Kindern in den Heimen der Kindernothilfe wirkten durchweg sehr gepflegt und ausgelassen. Dies beobachteten wir als tolle Entwicklung der Hilfe, die vor Ort für diejenigen geleistet wird, die die Kindernothilfe erreicht. Das Straßenbild Indiens zeigt in einer Parallelwelt dazu eine weiterhin existierende (Kinder-)Armut.
weiter ...
|