| Madurai und Dentomobil 2007 |
Ortstermin am frühen Morgen in einem kleinen Dorf im Süden Indiens: Das „Dentomobil“, ein entsprechend umgebauter ehemaliger Militärlaster, fährt in Satchiapuram vor – und ist sofort umringt von zig Kindern. Die Ankunft wurde schon erwartet: Zahnbehandlung unter Palmen. Die deutsche Organisation „Zahnärzte für Indien“ engagiert sich seit Jahren für Kinder in Indien, besonders dabei für Kinder in Heimen, die sonst in der Regel kaum eine zahnärztliche Versorgung haben. Mit dabei ist in diesem Jahr auch wieder der Grünwettersbacher Zahnarzt Dr. Dietrich Münchgesang: „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, indische Kinder zu untersuchen und anschließend zahnmedizinisch zu sanieren“ – und dafür reist er regelmäßig nach Indien. Von wegen Urlaub in der südlichen Sonne: Hartes Arbeiten ist für ihn und seine Helfer 14 Tage lang angesagt. Bevor es aber in Satchiapuram an die Arbeit geht, warten zur Begrüßung noch der obligatorische Milch-Tee und Kekse beim Heimleiter. Doch die Zeit drängt: „Wir wollen während unseres Aufenthaltes in Südindien so vielen Kindern wie möglich helfen“. Dr. Münchgesang bereitet sich also langsam demonstrativ vor: Arztkittel anziehen, die Desinfektionswanne wurde schon von seiner mitgereisten Helferin Lisa Gebhardt präpariert, Brille aufsetzen, Handschuhe überstreifen – denn zunächst wird bei den Kindern eine In-Augenscheinnahme des Gebisses vorgenommen: „Da sieht man gleich, was zu machen ist“, so Münchgesang. „Vanakkam“ – „Guten morgen": Die Kinder verstehen in den südindischen Dörfern in der Regel nur die Landessprache Tamil – mit anderen Worten, ein kleines Sprach-Repertoire muss für den Zahnarzt vorhanden sein: „vaaya thera“ (Mund öffnen), „ingepare“ (hierher schauen) – und wenn alles fertig ist, folgt das „mudunchu pooche“. Zudem gibt es für die Kinder zur Überbrückung der Zeit noch mitgebrachte kleine Spielsachen, Luftballons oder Bälle, die einen reisenden Absatz finden – und gleich alle ausprobiert werden. Für viele Kinder in den Heimen ist es wohl das erste Mal, dass sie ein eigenes Spielzeug bekommen, das sieht man an den leuchtenden Augen. Bei wem etwas zu machen ist, der stellt sich an, für Ordnung sorgen dabei die Lehrer, denn dann folgt die zweite Phase: Die Reichenbacherin Gebhardt hat in der Zwischenzeit das „Dentomobil“, eine komplette Praxis auf Rädern, einsatzbereit gemacht: Instrumente sterilisiert und die nötigen Dinge zurechtgelegt. „Hier ist alles auf kleinstem Raum vorhanden, aber alles Notwendige ist untergebracht. Es ist auf die Bedürfnisse abgestimmt, also perfekt“, so Gebhardt. Dass die Arbeit bei über 30 Grad in der Sonne in einem kleinen Raum aber auch auszuhalten ist, dafür sorgen Klimagerät und Ventilatoren. Das „Dentomobil“ ist zudem energietechnisch autark: „Das muss es auch sein bei unseren Einsätzen in den kleinen Dörfern, denn nicht überall finden wir Stromanschlüsse vor“, so Münchgesang: „Und von den häufigen Stromausfällen möchte ich gar nicht reden.“ weiter ... |